ZAZH-Ringvorlesungen

3. ZAZH-Ringvorlesung „Naturkatastrophen, Epidemien, Plagen – und was sie mit uns anrichten. Gedanken aus der Antike im Dialog mit heute“ (FS 2021)

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Menschenleere Strassen, geschlossene Geschäfte, verlassene Schulen, stillstehende Züge, abgeriegelte Grenzen: Das Coronavirus hat innert kürzester Zeit Verhältnisse geschaffen, die wir für kaum vorstellbar gehalten hatten. Angesichts einer Bedrohung, deren Gefährlichkeit niemand richtig einschätzen konnte, reagierte die Bevölkerung teils verängstigt oder gelassen, teils panisch oder fatalistisch, so oder so aber radikal verunsichert. Worauf sollte man noch vertrauen, wenn die Welt plötzlich unheimlich wird, wenn sie sich als doch nicht so beherrschbar erweist, wie wir meinten?

Naturkatastrophen, Epidemien und Plagen haben die Welt auch in der Antike erschüttert. Sie trafen Gesellschaften, in denen es ein Gesundheitssystem so wenig gab wie Sozialversicherungen und die deshalb um vieles verletzlicher waren als die heutigen. Und kaum jemand wusste, weshalb die Erde bebt, eine Stadt unter Asche verschwindet, Menschen zu Hunderten und zu Tausenden plötzlich krank werden und sterben. Wer war schuld und was sollte man tun? Antike Quellen liefern eindrückliche Berichte über Katastrophen, die wie der Ausbruch des Vesuvs eine Stadt innert weniger Stunden vollkommen zerstören konnten, oder Epidemien, die wie die Pest die Bevölkerung des Mittelmeerraumes in der ausgehenden Antike nahezu halbierte. Sie konfrontieren uns mit der Ratlosigkeit von Menschen angesichts von unfassbaren Plagen, die sie sich nicht erklären können und denen sie sich hilflos ausgeliefert sehen, ebenso wie mit der Wut auf diejenigen, die für das unfassbare Leid verantwortlich zu machen sind, und tiefen Zweifeln an übernatürlichen Erklärungsvorschlägen.
Die Deutungs- und Reaktionsmuster, die uns in den antiken Quellen begegnen, erscheinen dabei bisweilen irritierend aktuell: man sucht nach Sündenböcken, bevorzugt bei den Minderheiten in der Gesellschaft; Zweifel kommen auf an einem politischen System, dem man zu Recht oder zu Unrecht Versagen bei der Bewältigung der Krise vorwirft; von der Bevölkerung wird eine innere Umkehr gefordert, ein neues moralisches Verhalten, nachdem das frühere offenbar in die Krise geführt hat.
In der historischen Perspektive können wir aber auch den Weg aus der Krise beobachten – von der Krise angeregte, auch durchaus fruchtbare Neuanfänge ebenso wie die Wiederkehr zu alten, keineswegs nur bewährten Verhaltensmustern. Was bleibt und was endet wegen oder auch nur mit der Krise?
Die Ringvorlesung möchte das Thema «Naturkatastrophen, Epidemien, Plagen» aufgreifen und unsere Wahrnehmungen der «ausserordentlichen Lage» zu den Krisenerfahrungen in der antiken Welt in Beziehung setzen. Im Dialog mit der Gegenwart sollen unterschiedliche Katastrophenphänomene, von Heuschreckenplagen bis zum Klimawandel, in ihrem Verlauf beleuchtet werden und dabei insbesondere die politischen, religiösen und psychischen Reaktionen der Menschen in kurz- und langfristiger Perspektive in den Blick genommen werden. Unterschiedliche disziplinäre Zugänge, von der Ägyptologie und Geschichte über die Philologie und Theologie bis hin zu Film- und Literaturwissenschaften, sollen nicht allein das ungeheure zerstörerische Potential von Naturkatastrophen und Epidemien fassbar machen, sondern auch ins Bewusstsein rufen, welche Veränderungsprozesse in der Antike und vielleicht auch heute durch sie ausgelöst werden können.
 
Mit Unterstützung der Georg und Bertha Schwyzer-Winiker Stiftung
 
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Programm

23. Februar
„Der Mensch im Angesicht von Katastrophen, gestern und heute“
Dr. Dr. h. c. Peter Maurer (Präsident des IKRK) im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h. c. Friederike Fless (Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts) und Prof. Dr. Christoph Riedweg (UZH, Seminar für Griechische und Lateinische Philologie)

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2. März
„Naturkatastrophen im Alten Orient“
Prof. Dr. Thomas Krüger (Theologisches Seminar, Universität Zürich)

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9. März
„Der Mensch und die Krise - evolutionärmedizinische und historische Perspektiven“
Prof. Dr. Dr. Frank Rühli (Institut für Evolutionäre Medizin, Universität Zürich)

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16. März
„Naturkatastrophen in der Vesuv-Region - nicht nur 79 n. Chr.“
Prof. Dr. Christoph Reusser (Institut für Archäologie, Universität Zürich)

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23. März
„Apotropäische Darstellungen von Katastrophen in der archaischen Musenkunst“
Dr. Camille Semenzato (ZAZH – Zentrum Altertumswissenschaften Zürich, Universität Zürich)

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30. März
„Schwankendes Recht und versagendes Wissen: Notlagen-Diskurse im klassischen Indien“
Prof. Dr. Angelika Malinar (Asien-Orient-Institut, Universität Zürich)

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13. April
„Rom in Schutt und Asche“
Prof. Dr. Anne Kolb (Historisches Seminar, Universität Zürich)

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20. April
„Nachbeben und Nachleben: Der Ausbruch des Vesuvs 79 n.Chr. als Thema eines europäischen Dialogs“
Prof. Dr. Ulrich Eigler (Seminar für Griechische und Lateinische Philologie, Universität Zürich)

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27. April
„Die Justinianische Pest – Wahrnehmungen und Folgen“
Prof. Dr. Andreas Victor Walser (Historisches Seminar, Universität Zürich)

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4. Mai
„Die Pest in Boccaccios "Decameron" - Antikes und Mittelalterliches“
Prof. Dr. Johannes Bartuschat (Romanisches Seminar, Universität Zürich)

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11. Mai
„Katastrophen und Governance im Globalen Süden“
Prof. Dr. Katharina Michaelowa (Institut für Politikwissenschaft, Universität Zürich)

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18. Mai
„Pandemie Archive Kino: Ein kleiner Parcours“
Prof. Dr. Elisabeth Bronfen (Englisches Seminar, Universität Zürich)

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25. Mai
„Climate Change and the End of Empires“
Podium mit Rupa Mukerji (Senior Advisor Adaptation to Climate Change, Helvetas) und Prof. Dr. Kyle Harper (University of Oklahoma, Institute for the Study of Human Flourishing)
Moderation: Prof. Dr. Andreas Victor Walser (Historisches Seminar, Universität Zürich)

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1. Juni

Schlussprüfung

Multiple-Choice-Test


Wo: Online, auf OLAT (nur für eingeschriebene Studierende zugänglich)
Wann: Dienstag, 18.15 bis 19.00 Uhr
 

Archiv

s. auch die vergangenen Veranstaltungen im Archiv