Hintergrund

Die Altertumswissenschaften spielen an der Universität Zürich seit den Anfängen eine wichtige Rolle. Der Klassische Philologe Johann Caspar von Orelli war eine der treibenden Kräfte für die 1833 eröffnete Hochschule, deren Wurzeln bekanntlich bis zu den Anfängen der Reformation zurückreichen: Das humanistisch inspirierte und ab 1525 an der sog. Prophezei realisierte Reformprogramm Zwinglis räumte neben dem Latein den biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch eine zentrale Stelle ein ("The University of Zurich, Promoting critical thinking since 1525").

In der heutigen Zürcher Universitas litterarum sind die Altertumswissenschaften über mehrere Fakultäten verstreut: die Philosophische, die Rechtswissenschaftliche und, angesichts der Entstehungsgeschichte wenig überraschend, die Theologische sowie die Medizinische Fakultät. Auch innerhalb der Philosophischen Fakultät werden die Altertumswissenschaften an verschiedenen Seminaren/Instituten in der Forschung gepflegt und unterrichtet (insbesondere Seminar für Griechische und Lateinische Philologie, Institut für Archäologie, Historisches Seminar). Da die europäische Geistesgeschichte – und nicht nur diese, wenn man an die Bedeutung der spätantiken Philosophie für die islamische Welt denkt – im Laufe der Jahrhunderte immer wieder entscheidende Impulse aus der Auseinandersetzung mit der literarischen, philosophischen und materiellen Kultur der griechisch-römischen Antike gewonnen hat, gehören altertumswissenschaftliche Themen überdies in zahlreichen weiteren Instituten/Seminaren vor allem aus dem Bereich der 'Humanities' zum selbstverständlichen Lehr- und Forschungsprogramm.

Mit der 2018 erfolgten Gründung des interfakultären 'ZAZH  Zentrums Altertumswissenschaften Zürich' wird nicht zuletzt das Ziel verfolgt, das ausserordentlich reiche altertumswissenschaftliche Angebot der UZH über die Fakultätsgrenzen hinweg institutionell zu bündeln und die Fachkompetenzen übergreifend zu nutzen. Zwar sind die einzelnen altertumswissenschaftlichen Disziplinen bereits jetzt innerhalb ihrer 'scientific communities' bestens vernetzt und international anerkannt.

Doch hat die institutionelle Zusammenführung darüber hinausgehend das Potential, die UZH als nationalen und europäischen Forschungs-Hub zu positionieren, in dem das mediterrane Altertum, seine Vorläufer im Vorderen Orient und seine mannigfaltigen Rezeptionen im inner- und aussereuropäischen Kontext interdisziplinär erforscht werden. Denn die Antike als erste globale Kultur des gesamten Mittelmeerraumes soll am ZAZH nicht nur für sich selbst betrachtet, sondern auch als Modell, an dem sich Intellektuelle über die Jahrhunderte bis heute orientiert und abgearbeitet haben, in den Blick genommen und auf sein kritisches Potential für die Gegenwart befragt werden. Die verstärkte Zusammenarbeit in Lehre und Forschung erlaubt es zudem, die gezielte Nachwuchsförderung besonders im Bereich des Graduiertenstudiums zu optimieren. Ausserdem erleichtert und verbessert sie die Kommunikation antike-spezifischer Forschungsthemen und Fragestellungen in der universitären und ausseruniversitären Öffentlichkeit.